Viele verbinden den Begriff Top-down automatisch mit einem Raglanpullover oder Raglanshirt. Tatsächlich beschreibt Top-down zunächst nur die Strickrichtung: Das Kleidungsstück wird von oben nach unten gearbeitet.
Wie Schultern, Ausschnitt und Ärmel konstruiert werden, ist eine ganz andere Frage. Raglan ist nur eine von mehreren Möglichkeiten.
Das Heedi Tee zeigt eine eigenständige Top-down-Konstruktion ganz ohne Raglanlinien. Zunächst entsteht das obere Rückenteil. Danach werden die Schultern mit verkürzten Reihen geformt, die Vorderteile direkt angestrickt und später miteinander verbunden. Rumpf und Ärmel werden anschließend nahtlos in Runden gearbeitet.
Du möchtest die verschiedenen Schulterkonstruktionen zuerst vergleichen? Im Magazin findest du Raglan, Contiguous, europäische Schulter und Sattelschulter im direkten Überblick.



Hier findest du alle Anleitungen, übersichtlich geordnet nach Konstruktion.
Was bedeutet Top-down eigentlich?
Top-down bedeutet zunächst nur, dass ein Kleidungsstück am oberen Bereich beginnt und nach unten wächst.
Die genaue Konstruktion kann dabei sehr unterschiedlich sein. Ein Top-down-Modell kann beispielsweise als Raglan, mit Rundpasse, Sattelschulter oder mit separat aufgebauten Schulter- und Vorderteilen gearbeitet werden.
Beim Heedi Tee entsteht keine Raglanlinie. Stattdessen wird das Shirt Schritt für Schritt aus dem oberen Rückenteil, den geformten Schultern und den direkt angestrickten Vorderteilen aufgebaut.
Diese Arbeitsweise bietet mehrere praktische Vorteile:
- Das Shirt muss am Ende nicht aus einzelnen Teilen zusammengenäht werden.
- Es kann während des Strickens anprobiert werden.
- Rumpf- und Ärmellänge lassen sich individuell anpassen.
- Längen und Proportionen können während des Strickens überprüft werden.
- Der verbleibende Garnverbrauch lässt sich gegen Ende des Projekts besser einschätzen.
Schritt 1 – Der Anschlag
Beim Heedi Tee beginnt die Arbeit mit dem oberen Rückenteil.
Zunächst werden die Maschen für den rückwärtigen Halsausschnitt und die Schultern angeschlagen. Damit ist die Ausgangsbreite des oberen Rückenteils festgelegt.

Schritt 2 – Die Schultern werden geformt
Direkt nach dem Anschlag wird mit verkürzten Reihen gearbeitet.
Dadurch entstehen die Schulterschrägen. Die Schulterlinie verläuft nicht gerade, sondern folgt besser der natürlichen Körperform.
Nach der Schulterformung wird das Rückenteil in Reihen nach unten weitergearbeitet.

Schritt 3 – Das Rückenteil wird weitergestrickt
Nach der Schulterformung wächst das Rückenteil in Reihen nach unten.
Erst im weiteren Verlauf werden die Armausschnitte durch Zunahmen geformt. Das Rückenteil wird so lange gearbeitet, bis die vorgesehene Armausschnitttiefe erreicht ist.
Damit ist die Rückseite des oberen Shirts vorbereitet und die beiden Vorderteile können direkt aus den Schultern angestrickt werden.

Schritt 4 – Die Vorderteile entstehen aus den Schultern
Nun werden die Maschen für beide Vorderteile direkt aus den Schultern aufgenommen.
Zunächst werden sie getrennt gearbeitet. Währenddessen entsteht durch Zunahmen der Rundhalsausschnitt.
Sobald die gewünschte Ausschnitttiefe erreicht ist, werden beide Vorderteile miteinander verbunden.
Damit ist der obere Teil des Shirts vollständig aufgebaut.



Schritt 5 – Der Rumpf wird in Runden gestrickt
Sind Vorder- und Rückenteil bis zum Ende der Armausschnitte gearbeitet, werden beide Teile miteinander verbunden.
Ab jetzt wird der Rumpf nahtlos in Runden nach unten gestrickt.
Schritt 6 – Die Ärmel werden direkt angestrickt
Zum Schluss werden die Ärmel direkt aus den Armausschnitten aufgenommen.
Sie werden ebenfalls in Runden gestrickt und erhalten beim Heedi Tee keine Abnahmen. Dadurch bleibt die schlichte, klare Form des Shirts erhalten.


Warum ich Top-down so gerne stricke
Top-down-Konstruktionen gehören seit vielen Jahren zu meinen bevorzugten Möglichkeiten, Strickmodelle zu entwickeln. Besonders interessant finde ich dabei, dass „von oben nach unten“ nicht automatisch Raglan bedeutet. Je nach Design kann die Schulter ganz unterschiedlich aufgebaut werden.
Beim Heedi Tee entsteht sie beispielsweise aus dem zunächst separat gestrickten oberen Rückenteil. Andere rosa-p.-Modelle arbeite ich mit Contiguous, einer europäischen Schulter oder einem modifizierten Raglan.
Welche Konstruktion ich verwende, entscheidet sich deshalb nicht danach, welche Methode grundsätzlich die beste ist. Sie muss zum jeweiligen Entwurf passen – zur Schulterform, zur Silhouette und zu den Proportionen des Modells.
Genau das macht Top-down für mich als Designerin so interessant: Auf derselben grundsätzlichen Strickrichtung können sehr unterschiedliche Kleidungsstücke entstehen. In den rosa-p.-Anleitungen ist der jeweilige Aufbau bereits für alle Größen berechnet und wird Schritt für Schritt beschrieben.


Für wen eignet sich das Heedi Tee?
Das Heedi Tee ist eine gute Wahl, wenn du
- schlichte Shirts mit klaren Linien und feinen Details magst,
- ein Top-down-Shirt ohne Raglankonstruktion stricken möchtest,
- einen geraden, unkomplizierten Schnitt bevorzugst,
- eine Schulterkonstruktion kennenlernen möchtest, die aus dem oberen Rückenteil entwickelt wird,
- ein vielseitiges Shirt suchst, das sich gut kombinieren lässt.
Wenn dir diese Konstruktion und das fertige Modell gefallen, findest du hier alle Angaben, Größen und Arbeitsschritte zum Nachstricken:
→ Heedi Tee – Strickanleitung ansehen

Was bedeutet Top-down beim Stricken?
Top-down bedeutet, dass ein Kleidungsstück von oben nach unten gestrickt wird. Der Begriff beschreibt lediglich die Strickrichtung – nicht die Konstruktion. Ein Top-down-Modell kann als Raglan, Rundpasse, Contiguous oder mit einer ganz eigenen Schulterkonstruktion gearbeitet werden.
Ist Top-down immer Raglan?
Nein. Raglan ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, ein Top-down-Kleidungsstück zu konstruieren.
Beim Heedi Tee beginnt die Arbeit mit dem oberen Rückenteil. Die Schultern werden mit verkürzten Reihen geformt, anschließend werden die Vorderteile direkt angestrickt. Eine klassische Raglankonstruktion gibt es dabei nicht.
Muss ich ein Top-down-Shirt zusammennähen?
Das Heedi Tee wird ohne Seiten- und Schulternähte gearbeitet. Rumpf und Ärmel werden in Runden gestrickt.
Kann ich die Länge eines Top-down-Shirts anpassen?
Ja. Gerade darin liegt einer der Vorteile dieser Konstruktion. Rumpf und Ärmel können länger oder kürzer gearbeitet werden. Die Länge lässt sich während des Strickens durch Anprobieren überprüfen.
