
Hast du deine Maschenprobe schon gemacht? Oder würdest du am liebsten direkt losstricken?
Das kann ich gut verstehen. Das Garn liegt bereit, die Anleitung ist ausgedruckt oder geöffnet – und eigentlich möchte man sofort anfangen. Trotzdem lohnt sich die Maschenprobe. Gerade bei Pullovern, Jacken und Cardigans entscheidet sie oft darüber, ob das fertige Strickstück später wirklich passt.
In diesem Beitrag zeige ich dir, warum eine Maschenprobe sinnvoll ist, wie du sie strickst, warum Waschen und Trocknen dazugehören und wie du sie richtig misst.
Wenn du eine kompakte Schritt-für-Schritt-Anleitung suchst, findest du hier außerdem den neueren Beitrag: Maschenprobe richtig stricken – Anleitung, Tipps & häufige Fragen.
Warum ist eine Maschenprobe wichtig?
In jeder Strickanleitung findest du Angaben zur Maschenprobe. Sie zeigen dir, wie viele Maschen und Reihen auf 10 x 10 cm kommen sollen, damit die Maße des fertigen Strickstücks stimmen.
Auf einer Garnbanderole steht ebenfalls oft eine Maschenprobe, zum Beispiel:
10 x 10 cm glatt rechts = 22 M x 34 R mit Nadel 3,5 bis 4,5
Diese Angabe ist aber nur ein Richtwert. Der Garnhersteller weiß nicht, ob du eher fest oder locker strickst. Er weiß auch nicht, welche Nadelstärke du tatsächlich verwenden möchtest und in welchem Muster dein Modell gestrickt wird.
Deshalb reicht die Maschenprobe auf der Banderole nicht aus.
Entscheidend ist immer die Maschenprobe aus der Anleitung.
Nehmen wir als Beispiel eine Anleitung, bei der folgende Maschenprobe angegeben ist:
10 x 10 cm glatt links = 23 M x 32 R mit Nadel 3,5
Wenn du bei deiner eigenen Maschenprobe auf 10 cm eine Masche mehr oder weniger hast, klingt das zunächst nicht dramatisch. Auf die gesamte Breite eines Pullovers oder Cardigans gerechnet können daraus aber schnell mehrere Zentimeter werden.
Und genau diese Zentimeter entscheiden später darüber, ob ein Kleidungsstück gut sitzt oder eine ganze Größe anders ausfällt.
Warum die Angabe auf der Banderole nicht reicht
![die maschenprobe :: ein grundkurs ] |](https://rosape.de/wp-content/uploads/2017/02/img-3142.jpg)
Die Maschenprobe auf der Banderole beschreibt nur, wie das Garn ungefähr verarbeitet werden kann. Sie ist eine Orientierung, aber keine verbindliche Angabe für dein konkretes Projekt.
Für dein Strickstück spielen mehrere Dinge zusammen:
- dein Garn
- deine Nadelstärke
- deine persönliche Strickweise
- das Muster
- die Konstruktion des Modells
- das Verhalten des Garns nach dem Waschen
Gerade bei Kleidungsstücken lohnt es sich deshalb, eine eigene Maschenprobe zu stricken. Sie gibt dir Sicherheit, bevor du viele Stunden in dein Projekt investierst.
Wie stricke ich eine Maschenprobe?
In der Anleitung steht, in welchem Muster die Maschenprobe gestrickt werden soll. Das ist wichtig.
Wenn in der Anleitung „glatt rechts“ steht, strickst du die Maschenprobe glatt rechts. Wenn dort „glatt links“, „Perlmuster“ oder ein anderes Muster angegeben ist, verwendest du genau dieses Muster.
Für die Maschenprobe schlägst du etwas mehr Maschen an, als für 10 cm angegeben sind. Wenn in der Anleitung zum Beispiel 23 Maschen auf 10 cm genannt werden, kannst du etwa 32 Maschen anschlagen.
Das ist später beim Messen hilfreich, weil du nicht direkt am Rand messen musst.
So kannst du vorgehen:
Stricke zuerst 2 oder 3 Reihen kraus rechts. Dann strickst du im angegebenen Muster weiter. Damit sich die Maschenprobe später nicht so stark einrollt, kannst du zusätzlich an beiden Seiten 3 Maschen kraus rechts als Randmaschen stricken.
Bei einer Maschenprobe glatt links sähe das zum Beispiel so aus:
3 Maschen kraus rechts, dann glatt links, am Ende wieder 3 Maschen kraus rechts.
Stricke die Probe außerdem etwas höher als 10 cm. Auch das ist wichtig, damit du später bequem in der Mitte messen kannst.
Zum Schluss strickst du wieder 2 oder 3 Reihen kraus rechts und kettest die Maschen ab.
Jetzt hast du deine erste Maschenprobe gestrickt. Wirklich zuverlässig messen lässt sie sich aber erst nach dem nächsten Schritt.
Warum sollte ich die Maschenprobe waschen?
Eine Maschenprobe sollte so behandelt werden wie später dein fertiges Strickstück.
Das ist wichtig, weil sich viele Garne nach dem Waschen verändern. Manche Garne werden weicher. Andere wachsen in die Länge, ziehen sich etwas zusammen oder verändern ihr Maschenbild.
Wenn du die Maschenprobe ungewaschen misst, kann es passieren, dass dein fertiges Strickstück nach der ersten Wäsche anders ausfällt als geplant.
Deshalb gilt:
Wasche die Maschenprobe so, wie du später auch dein fertiges Strickstück waschen würdest.
Wenn dein Garn für den Wollwaschgang geeignet ist, kannst du die Maschenprobe entsprechend in der Waschmaschine waschen. Wenn du dein Strickstück später von Hand waschen möchtest, wäschst du auch die Maschenprobe von Hand.
Notiere dir unbedingt, welche Nadelstärke du verwendet hast. Am besten machst du das sofort. Erfahrungsgemäß vergisst man solche Dinge schneller, als man denkt.
Wie trockne ich eine Maschenprobe?
Nach dem Waschen legst du die Maschenprobe auf ein Handtuch. Drücke überschüssiges Wasser vorsichtig heraus, ohne die Probe zu verdrehen oder zu ziehen.
Dann legst du sie flach auf ein trockenes Handtuch und streichst sie behutsam in Form.
Wichtig ist: nicht ziehen, nicht stark spannen, nicht verzerren.
Die Maschenprobe soll so trocknen, wie später auch dein Strickstück liegen würde. Erst wenn sie vollständig trocken ist, wird gemessen.
Wie vermesse ich eine Maschenprobe?
Am einfachsten misst du eine Maschenprobe mit einem Zählrahmen. Du kannst aber auch ein Maßband oder ein Lineal verwenden.
Lege die trockene Maschenprobe glatt auf den Tisch. Dann misst du in der Mitte der Probe, nicht direkt am Rand.
Zähle nun:
Wie viele Maschen liegen auf 10 cm Breite?
Und wie viele Reihen liegen auf 10 cm Höhe?
Genau deshalb ist es sinnvoll, die Maschenprobe größer als 10 x 10 cm zu stricken. So kannst du in der Mitte der Probe messen und bekommst ein zuverlässigeres Ergebnis.
Was mache ich, wenn die Maschenprobe passt?
Wenn deine Maschenprobe mit der Angabe in der Anleitung übereinstimmt, kannst du mit deinem Projekt beginnen.
Beschrifte die Maschenprobe am besten trotzdem. Notiere Garn, Nadelstärke, Muster und gemessene Maschenprobe. Wenn du das Garn später noch einmal verwenden möchtest, hast du eine hilfreiche Orientierung.
Mit der Zeit entsteht so ein kleiner Fundus aus eigenen Maschenproben.
Was mache ich, wenn die Maschenprobe nicht passt?
Wenn deine Maschenprobe nicht mit der Angabe in der Anleitung übereinstimmt, ist das kein Fehler. Es bedeutet nur, dass du deine Nadelstärke anpassen solltest.
Hast du zu viele Maschen auf 10 cm, strickst du fester als die angegebene Maschenprobe. Dann probiere eine größere Nadelstärke.
Hast du zu wenige Maschen auf 10 cm, strickst du lockerer. Dann probiere eine kleinere Nadelstärke.
Oft reicht schon eine halbe Nadelstärke Unterschied.
Stricke dann eine neue Maschenprobe, wasche und trockne sie wieder und miss erneut.
Ja, das kostet etwas Zeit. Aber es ist deutlich weniger Zeit, als ein fast fertiges Strickstück wieder aufzutrennen, weil die Größe nicht stimmt.
Maschenprobe in Runden
Wenn ein Modell in Runden gestrickt wird, kann es sinnvoll sein, auch die Maschenprobe in Runden zu arbeiten.
Viele Menschen stricken in Reihen anders als in Runden. Das kann die Maschenprobe verändern – besonders bei glatt rechts.
Dazu gibt es einen eigenen Beitrag im rosa p. Magazin:
Maschenprobe passt nicht – was jetzt?
Wenn deine Maschenprobe nicht passt, findest du im rosa p. Magazin außerdem einen eigenen Beitrag dazu:
Maschenprobe passt nicht – was jetzt?
Dort erkläre ich noch genauer, wie du die Abweichung einordnen kannst und welche Nadelstärke sinnvoll sein kann.
Noch ein Hinweis
Die Maschenprobe gehört vielleicht nicht zu den beliebtesten Schritten beim Stricken. Aber sie ist einer der hilfreichsten.
Sie nimmt dir Unsicherheit, bevor du beginnst. Sie zeigt dir, wie dein Garn nach dem Waschen aussieht. Und sie hilft dir dabei, die richtige Größe mit mehr Vertrauen zu stricken.
Gerade bei Kleidungsstücken ist sie deshalb kein überflüssiger Umweg, sondern eine gute Vorbereitung.
Noch mehr Strickwissen & Tipps
Im rosa p. Magazin findest du weitere Beiträge rund um Maschenprobe, Größenwahl, Passform, Stricktechniken und Garnwahl.
Zur Übersicht: Strickwissen & Tipps
Warum ist eine Maschenprobe beim Stricken wichtig?
Eine Maschenprobe zeigt, ob die Maschen- und Reihenzahl mit den Angaben in der Anleitung übereinstimmt. Schon kleine Abweichungen können dazu führen, dass ein Pullover, eine Jacke oder ein Cardigan später zu groß oder zu klein wird.
Reicht die Maschenprobe auf der Garnbanderole aus?
Nein. Die Angabe auf der Banderole ist nur ein Richtwert. Sie zeigt, wie das Garn ungefähr verarbeitet werden kann. Da jede Person etwas fester oder lockerer strickt, sollte für jedes Modell eine eigene Maschenprobe gestrickt werden.
In welchem Muster stricke ich die Maschenprobe?
Die Maschenprobe wird immer in dem Muster gestrickt, das in der Anleitung angegeben ist. Steht dort zum Beispiel „glatt links“, sollte die Maschenprobe ebenfalls glatt links gestrickt werden. Nur so lässt sich das Ergebnis zuverlässig vergleichen.
Wie groß sollte eine Maschenprobe sein?
Eine Maschenprobe sollte größer als 10 x 10 cm sein. So kann später in der Mitte gemessen werden, ohne dass Randmaschen das Ergebnis verfälschen. Ein kleiner kraus rechter Rand kann helfen, damit sich die Probe weniger einrollt.
Muss ich die Maschenprobe waschen?
Ja, die Maschenprobe sollte so gewaschen werden, wie auch das fertige Strickstück später gewaschen wird. Viele Garne verändern sich nach dem Waschen: Sie werden weicher, wachsen in der Länge oder ziehen sich etwas zusammen.
Wie messe ich eine Maschenprobe richtig?
Die trockene Maschenprobe wird flach hingelegt. Dann werden die Maschen auf 10 cm Breite und die Reihen auf 10 cm Höhe gezählt. Am einfachsten geht das mit einem Zählrahmen oder einem Maßband.
Was mache ich, wenn meine Maschenprobe nicht passt?
Wenn zu viele Maschen auf 10 cm kommen, wird fester gestrickt als in der Anleitung. Dann kann eine größere Nadelstärke helfen. Wenn zu wenige Maschen auf 10 cm kommen, wird lockerer gestrickt. Dann sollte eine kleinere Nadelstärke ausprobiert werden.
Muss ich für jedes Projekt eine neue Maschenprobe machen?
Ja, besonders bei Kleidungsstücken ist eine neue Maschenprobe sinnvoll. Garn, Nadelstärke, Muster und die eigene Strickweise beeinflussen das Ergebnis. Auch wenn ein Garn schon bekannt ist, kann ein anderes Muster eine andere Maschenprobe ergeben.
Sollte ich die Maschenprobe aufbewahren?
Das ist sinnvoll. Notieren Sie Garn, Nadelstärke, Muster und Maschenprobe direkt auf oder an der Probe. So entsteht mit der Zeit ein hilfreicher Fundus für spätere Projekte.
Was passiert, wenn ich ohne Maschenprobe losstricke?
Dann besteht das Risiko, dass das fertige Strickstück nicht die gewünschte Größe bekommt. Besonders bei Pullovern, Cardigans und Jacken kann eine kleine Abweichung auf 10 cm über die gesamte Breite mehrere Zentimeter Unterschied ausmachen.