Kaiili Jumper in Dunkelrot, getragen mit Maßband zur Größenwahl einer Strickanleitung.

Welche Größe stricke ich wirklich?

5 typische Denkfehler bei Mehrweite – und wie du sie vermeidest

Bei einer Strickanleitung ist die richtige Größe nicht unbedingt die Zahl, die du von gekaufter Kleidung gewohnt bist. Entscheidend sind deine Körpermaße, die Maße des fertigen Strickstücks und die Passform, die für das jeweilige Modell vorgesehen ist.

In meinen Strickanleitungen findest du deshalb für jede Größe die entsprechenden Maße des fertigen Modells. Sie helfen dir dabei einzuschätzen, wie viel Mehrweite ein Pullover, Cardigan oder Slipover bei dir haben wird.

Was bedeutet Mehrweite beim Stricken?

Mehrweite – häufig auch Positive Ease genannt – bezeichnet den Unterschied zwischen deinem Körpermaß und dem entsprechenden Maß des fertigen Strickstücks.

Ein einfaches Beispiel:

Brustumfang: 100 cm
Brustumfang des fertigen Pullovers: 112 cm
Mehrweite: 12 cm

Der Pullover hat an dieser Stelle also 12 cm mehr Umfang als dein Körper.

Wie diese 12 cm wirken, hängt jedoch vom jeweiligen Modell ab. Ein körpernah entworfenes Shirt, ein gerader Pullover und ein weiter geschnittener Cardigan haben unterschiedliche Proportionen. Deshalb solltest du die Mehrweite immer im Zusammenhang mit dem konkreten Design betrachten.

Beim Kaiili Jumper ist der Brustumfang des fertigen Pullovers für jede Größe in der Anleitung angegeben. Hat dein Körper beispielsweise einen Brustumfang von 100 cm und du wählst eine Größe mit etwa 118 cm fertigem Brustumfang, ergibt das rund 18 cm Mehrweite.

Ob genau diese Größe für dich die richtige ist, lässt sich daraus allein aber noch nicht ableiten. Entscheidend ist auch, wie der Kaiili Jumper entworfen wurde und wie du ihn tragen möchtest. Genau deshalb lohnt es sich, vor der Größenwahl nicht nur auf eine Zahl zu schauen.

Denkfehler 1: „Ich nehme einfach meine übliche Größe“

Konfektionsgrößen helfen dir bei der Auswahl einer Strickgröße nur begrenzt. Eine Größe 40 oder 42 sagt zunächst nichts darüber aus, welchen fertigen Brustumfang ein Strickmodell hat oder mit welcher Mehrweite es entworfen wurde.

Orientiere dich deshalb an deinen Körpermaßen und den fertigen Maßen in der Strickanleitung. In meinen Anleitungen findest du eine Maßtabelle für das jeweilige Modell. Dort kannst du sehen, welche Maße das fertige Strickstück in den einzelnen Größen hat.

Beim Kaiili Jumper aus dem Beispiel oben würdest du also nicht danach fragen, welche Größe deiner üblichen Konfektionsgröße entspricht. Du vergleichst deinen Brustumfang mit den fertigen Brustumfängen des Jumpers und entscheidest, mit welcher Mehrweite du ihn tragen möchtest.

Damit ist Kaiili an dieser Stelle noch einmal sinnvoll eingebunden – aber wir brauchen kein zweites Bild.

Denkfehler 2: „Die empfohlene Mehrweite ist für alle gleich“

Wenn bei einem Modell eine bestimmte Mehrweite empfohlen wird, beschreibt sie, wie das Design gedacht ist. Sie ist aber keine Zahl, die unabhängig von den eigenen Maßen und der gewünschten Passform betrachtet werden sollte.

Ein Modell mit großzügiger Mehrweite wurde mit anderen Proportionen entworfen als ein körpernah geschnittenes Modell. Dabei verändern sich nicht nur der Brustumfang, sondern je nach Konstruktion beispielsweise auch Schulterbreite, Armloch, Ärmelweite oder Ausschnitt.

Deshalb ist es sinnvoll, vor der Größenwahl zu überlegen:

  • Wie soll das Modell an mir sitzen?
  • Welche fertigen Maße hat die gewählte Größe?
  • Wie viel Mehrweite ergibt sich daraus bei meinen eigenen Körpermaßen?

Das Heedi Tee zeigt gut, warum die gewünschte Mehrweite immer zum jeweiligen Design gehören muss. Seine Proportionen und seine Konstruktion unterscheiden sich vom Kaiili Jumper. Die Größenwahl erfolgt deshalb anhand der Maße und der vorgesehenen Passform des Heedi Tee – nicht anhand einer Mehrweite, die bei einem anderen Pullover gut funktioniert hat.

Denkfehler 3: „Wenn es an einer Stelle knapp wird, nehme ich einfach eine größere Größe“

Vielleicht passt der gewünschte Brustumfang gut, während dir beispielsweise die Ärmelweite einer Größe zu knapp erscheint. Die nächstgrößere Größe zu wählen, ist dann nicht automatisch die beste Lösung.

Mit einer anderen Größe verändern sich nicht nur einzelne Maße. Je nach Konstruktion ändern sich auch Schulter, Ausschnitt, Armloch, Ärmelweite und die gesamte Weite des Modells.

Schau deshalb in der Maßtabelle deiner Strickanleitung nicht nur auf den Brustumfang. Vergleiche auch die weiteren Maße, die für das jeweilige Modell angegeben sind.

Ein gut sitzendes Kleidungsstück aus deinem Kleiderschrank kann dabei sehr hilfreich sein: Miss beispielsweise Brustweite, Länge und Ärmelweite und vergleiche diese Werte mit den fertigen Maßen der Strickanleitung. So bekommst du eine wesentlich bessere Vorstellung davon, wie die gewählte Größe später ausfallen wird.

Denkfehler 4: „Wenn der Brustumfang stimmt, passt die Größe“

Der Brustumfang ist ein wichtiger Wert für die Größenwahl, aber nicht der einzige. Zwei Strickmodelle mit demselben fertigen Brustumfang können trotzdem vollkommen unterschiedlich sitzen.

Ein Modell kann gerade und weit geschnitten sein, ein anderes schmalere Ärmel, eine andere Schulterkonstruktion oder andere Längen haben. Deshalb findest du in meinen Anleitungen neben dem Brustumfang weitere Maße des fertigen Strickstücks.

Beim Uukii Cardigan entsteht die Schulter mit der Contiguous-Methode. Dazu kommen der V-Ausschnitt und die integrierte Knopfleiste. Für die Größenwahl ist deshalb nicht nur interessant, welchen Brustumfang der fertige Cardigan hat. Auch die übrigen Maße und die vorgesehene Silhouette gehören zur Beurteilung des Modells.

Denkfehler 5: „Die Maschenprobe hat mit meiner Größenwahl nichts zu tun“

Du kannst deine Größe anhand der Maßtabelle sorgfältig auswählen – die berechneten Maße können aber nur erreicht werden, wenn auch deine Maschenprobe mit der Angabe in der Anleitung übereinstimmt.

Hast du beispielsweise weniger Maschen auf 10 cm als angegeben, wird dein Gestrick bei gleicher Maschenzahl breiter. Hast du mehr Maschen, wird es schmaler. Eine abweichende Maschenprobe lässt sich deshalb nicht zuverlässig dadurch ausgleichen, dass du einfach eine andere Größe strickst.

Wie du eine Maschenprobe anfertigst, wäschst und richtig ausmisst, erkläre ich ausführlich in „Maschenprobe richtig stricken“.


Welche Größe stricke ich? So gehst du bei der Größenwahl vor

Wenn du dich für ein Modell entschieden hast, kannst du bei der Größenwahl Schritt für Schritt vorgehen:

  1. Miss deinen Körperumfang.
    Für die Größenwahl ist zunächst der in der Anleitung genannte Körperumfang entscheidend.
  2. Schau dir die Maße des fertigen Modells an.
    Vergleiche deinen Körperumfang mit den entsprechenden Maßen in der Maßtabelle der Anleitung.
  3. Berechne die Mehrweite.
    Ziehe dein Körpermaß vom fertigen Maß des Strickstücks ab. So siehst du, wie viel Mehrweite die jeweilige Größe bei dir hat.
  4. Beziehe die vorgesehene Passform des Modells ein.
    Schau dir die Modellfotos an und lies die Angaben zur Passform. Ein weit entworfener Pullover soll anders sitzen als ein körpernäher geschnittenes Shirt.
  5. Vergleiche weitere Maße.
    Je nach Modell können beispielsweise Länge und Ärmelweite für deine Entscheidung wichtig sein. Ein gut sitzendes Kleidungsstück aus deinem Kleiderschrank kann dabei als Vergleich dienen. Wie du ein vorhandenes Kleidungsstück zum Vergleich ausmisst und die Werte für deine Größenwahl nutzt, zeige ich dir ausführlicher im ⁠rosa p. Größen-Guide.
  6. Prüfe deine Maschenprobe.
    Erst wenn sie mit der Angabe in der Anleitung übereinstimmt, können die berechneten Maße des Modells entsprechend erreicht werden. Wie du eine Maschenprobe anfertigst, wäschst und richtig ausmisst, erkläre ich im Beitrag ⁠„Maschenprobe richtig stricken“.

Größenwahl bei meinen rosa-p.-Strickanleitungen

In meinen Strickanleitungen findest du für jede Größe die Maße des fertigen Modells. Zusammen mit den Angaben zur Maschenprobe, den Modellfotos und den Hinweisen zur Passform kannst du damit beurteilen, welche Größe zu dem gewünschten Sitz passt.

Wichtig ist dabei nicht, welche Konfektionsgröße du normalerweise kaufst. Entscheidend ist immer das konkrete Modell mit seinen eigenen Maßen und Proportionen.


Häufige Fragen zur Größenwahl bei Strickanleitungen

Welche Größe soll ich bei einer Strickanleitung wählen?

Orientiere dich nicht automatisch an deiner üblichen Konfektionsgröße. Vergleiche deine Körpermaße mit den Maßen des fertigen Strickstücks und berücksichtige dabei die für das Modell vorgesehene Passform und Mehrweite.

Was bedeutet Mehrweite beim Stricken?

Mehrweite bezeichnet den Unterschied zwischen deinem Körpermaß und dem entsprechenden Maß des fertigen Strickstücks. Hat dein Brustumfang beispielsweise 100 cm und der fertige Pullover einen Brustumfang von 112 cm, beträgt die Mehrweite 12 cm.

Wie viel Mehrweite sollte ein Pullover haben?

Dafür gibt es keinen allgemein gültigen Wert. Ein körpernah entworfenes Shirt benötigt eine andere Mehrweite als ein bewusst weit geschnittener Pullover. Entscheidend sind immer das konkrete Design und die Angaben zur Passform in der Strickanleitung.

Kann ich einfach eine Größe größer stricken, wenn ich es weiter möchte?

Nicht unbedingt. Mit einer größeren Größe verändern sich neben dem Brustumfang auch weitere Maße des Modells. Vergleiche deshalb die Maßangaben der verschiedenen Größen, bevor du dich entscheidest.

Kann ich ein gut sitzendes Kleidungsstück als Vergleich nehmen?

Ja. Besonders hilfreich ist ein Kleidungsstück mit einer ähnlichen Passform wie das geplante Strickmodell. Du kannst beispielsweise Brustweite, Länge und Ärmelweite ausmessen und mit den fertigen Maßen in der Strickanleitung vergleichen.

Warum ist die Maschenprobe für die Größenwahl wichtig?

Die Maße einer Strickanleitung sind für eine bestimmte Maschenprobe berechnet. Weicht deine Maschenprobe davon ab, verändern sich auch die Maße deines Strickstücks. Deshalb sollte eine abweichende Maschenprobe nicht einfach durch die Wahl einer anderen Größe ausgeglichen werden.