Grüne Maschenprobe mit Maßband zum Ausmessen der Maschenprobe.

Maschenprobe richtig stricken – so gehst du vor

Eine Maschenprobe gehört für mich zur Vorbereitung eines Strickprojekts. Sie zeigt dir, wie viele Maschen und Reihen du mit einem bestimmten Garn und einer bestimmten Nadelstärke auf 10 × 10 cm strickst.

Diese Werte sind wichtig, denn auf ihnen beruhen die Berechnungen einer Strickanleitung. Maschenzahlen und Maße des fertigen Modells werden für eine bestimmte Maschenprobe berechnet.

Dabei musst du nicht genauso fest oder locker stricken wie ich. Entscheidend ist, dass du mit deinem Garn und deinen Nadeln die in der Anleitung angegebene Maschenprobe erreichst.

In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du eine Maschenprobe strickst, wäschst und richtig ausmisst – und was du beachten solltest, bevor du mit deinem eigentlichen Strickprojekt beginnst.

Was bedeutet die Maschenprobe in einer Strickanleitung?

Die Maschenprobe ist eine Grundlage für die Berechnungen einer Strickanleitung. Stimmen deine Maschenzahl und die Maschenprobe der Anleitung überein, können die berechneten Maße des Modells erreicht werden.

Die Maschenprobe bezieht sich dabei immer auf das angegebene Muster. Bei einem glatt rechts gestrickten Modell wird sie beispielsweise glatt rechts gemessen. Hat ein Modell ein Strukturmuster, kann die Maschenprobe für dieses Muster angegeben sein.

Die genannte Nadelstärke ist dabei ein Ausgangspunkt und keine Vorgabe, die für jede Strickerin automatisch passt. Strickst du eher fest, brauchst du möglicherweise eine größere Nadel. Strickst du locker, kann eine kleinere Nadel notwendig sein.

Entscheidend ist am Ende die Maschenprobe, für die die Anleitung berechnet wurde.

Ein Beispiel ist der Kukka Cardigan Fine. Die Anleitung ist für eine Maschenprobe von 23 Maschen × 32 Reihen auf 10 × 10 cm berechnet. Diese Werte sind die Grundlage für die Maschenzahlen und Maße des Cardigans.

Strickst du mit deinem gewählten Garn beispielsweise weniger als 23 Maschen auf 10 cm, wird dein Gestrick bei gleicher Maschenzahl breiter. Bei mehr als 23 Maschen wird es schmaler. Deshalb wird die Maschenprobe geprüft, bevor du mit dem eigentlichen Modell beginnst.

Kukka Cardigan Fine – Maschenprobe: 23 M × 32 R = 10 × 10 cm

Warum die Maschenprobe für die fertigen Maße wichtig ist

Eine Strickanleitung wird für eine bestimmte Maschenprobe berechnet. Die Maschenzahlen für Vorder- und Rückenteil, Ärmel oder Passe ergeben zusammen mit dieser Maschenprobe die Maße des fertigen Strickstücks.

Beim Kukka Cardigan Fine sind beispielsweise 23 Maschen auf 10 cm vorgesehen. Strickst du stattdessen nur 21 Maschen auf 10 cm, benötigen deine Maschen mehr Platz in der Breite. Der Cardigan würde bei unveränderter Maschenzahl entsprechend größer.

Schon kleine Abweichungen können sich über die gesamte Breite eines Pullovers oder Cardigans deutlich bemerkbar machen. Deshalb solltest du die Maschenprobe prüfen, bevor du dich für eine Größe entscheidest und mit dem eigentlichen Modell beginnst.

Das gilt auch, wenn du eines der von mir vorgeschlagenen Garne durch ein anderes Garn ersetzen möchtest. Ein alternatives Garn muss nicht dieselbe Lauflänge oder Zusammensetzung wie das Originalgarn haben. Es sollte aber zur Konstruktion und zum gewünschten Maschenbild passen – und du musst damit die für die Anleitung erforderliche Maschenprobe erreichen können.

Maschenprobe richtig stricken – Schritt für Schritt

Eine Maschenprobe sollte größer sein als die Fläche, die du später ausmessen möchtest. Für eine Maschenprobe von 10 × 10 cm schlägst du deshalb genügend Maschen an, damit dein Probestück deutlich breiter als 10 cm wird. Auch in der Höhe strickst du mehr als die später gemessenen 10 cm.

So kannst du beim Ausmessen einen Bereich in der Mitte der Probe verwenden. Randmaschen und Anschlagkante können das Gestrick beeinflussen und sollten nicht Teil der Messfläche sein.

Stricke die Maschenprobe in dem Muster, für das die Maschenprobe in der Anleitung angegeben ist. Steht dort beispielsweise „glatt rechts“, wird auch die Probe glatt rechts gestrickt. Bei einem Strukturmuster muss entsprechend dieses Muster verwendet werden.

Verwende zunächst das gewählte Garn und die in der Anleitung genannte Nadelstärke. Sie ist der Ausgangspunkt für deine Probe. Ob sie auch für deine persönliche Strickweise die richtige ist, zeigt erst das Ergebnis.

Maschenprobe waschen und trocknen

Bevor du deine Maschenprobe ausmisst, solltest du sie so behandeln, wie später auch das fertige Strickstück. Wasche sie entsprechend der Pflegeempfehlung des verwendeten Garns und lasse sie vollständig trocknen.Das ist wichtig, weil sich ein Gestrick durch das Waschen verändern kann. Manche Garne werden weicher und lockerer, andere verändern ihre Breite oder Länge. Auch ein Strukturmuster kann sich nach dem Waschen anders zeigen als direkt nach dem Stricken.Gemessen wird deshalb erst an der gewaschenen und vollständig getrockneten Maschenprobe. Nur diese Werte sind für die weitere Planung deines Strickprojekts entscheidend.Wie unterschiedlich Garne gepflegt werden und wann Hand- oder Maschinenwäsche infrage kommt, findest du ausführlicher in meinem Beitrag „Wolle waschen – Waschmaschine oder Handwäsche?“.

Maschenprobe richtig messen

Lege die getrocknete Maschenprobe flach und ohne sie zu dehnen auf eine ebene Fläche. Gemessen wird in der Mitte der Probe, nicht unmittelbar an den Rändern.Markiere eine Strecke von 10 cm in der Breite und zähle die Maschen innerhalb dieses Bereichs. Anschließend misst du 10 cm in der Höhe und zählst die Reihen.Dabei können auch halbe Maschen oder Reihen eine Rolle spielen. Ergibt deine Probe beispielsweise 22,5 statt der geforderten 23 Maschen auf 10 cm, solltest du diesen Wert nicht auf 23 aufrunden. Über die gesamte Breite eines Kleidungsstücks kann sich auch eine kleine Abweichung bemerkbar machen.Vergleiche anschließend beide Werte mit der Angabe in der Strickanleitung:

Maschenzahl × Reihenzahl = 10 × 10 cm

Stimmen die Werte überein, hast du die Maschenprobe erreicht. Weichen sie ab, solltest du zunächst herausfinden, ob eine andere Nadelstärke das gewünschte Ergebnis bringt.

Dunkle Maschenprobe mit Maßband zum Ausmessen von Maschen und Reihen.

Was tun, wenn die Maschenprobe nicht stimmt?

Weicht deine Maschenprobe von den Angaben der Strickanleitung ab, solltest du nicht einfach mit dem eigentlichen Modell beginnen. Prüfe zunächst, ob du die erforderliche Maschenprobe mit einer anderen Nadelstärke erreichst.

Als Orientierung gilt:

  • Du hast mehr Maschen auf 10 cm als angegeben: Probiere eine größere Nadelstärke.
  • Du hast weniger Maschen auf 10 cm als angegeben: Probiere eine kleinere Nadelstärke.

Stricke anschließend eine neue Probe, wasche und trockne sie und miss erneut. Manchmal sind mehrere Versuche notwendig, bis Garn, Nadelstärke und persönliche Strickweise zusammenpassen.

Was du tun kannst, wenn Maschen- oder Reihenzahl weiterhin abweichen, erkläre ich ausführlicher im Beitrag „Maschenprobe passt nicht – was tun?“.

Maschenprobe in Reihen oder in Runden stricken?

Auch die Strickweise kann das Ergebnis der Maschenprobe beeinflussen. Rechte und linke Maschen werden nicht immer mit genau derselben Fadenspannung gestrickt. Deshalb kann eine glatt rechts in Hin- und Rückreihen gestrickte Probe andere Werte ergeben als eine Probe, die in Runden gearbeitet wird.

Maschenprobe Reihenanzahl – Beispiel zur Raglanhöhe bei rosa p. Top-Down-Strickanleitungen

Wird ein größerer Teil des Modells in Runden gestrickt, solltest du deshalb prüfen, ob es sinnvoll ist, auch die Maschenprobe in Runden anzufertigen.

Beim Vaahta Tee wird der Rumpf nach dem Aufbau der europäischen Schulter in Runden weitergestrickt. Die Anleitung ist für eine Maschenprobe von 18 Maschen × 24 Reihen auf 10 × 10 cm berechnet. Wenn sich deine Fadenspannung beim Rundstricken von der beim Stricken in Hin- und Rückreihen unterscheidet, kann sich das auch auf die Maße des fertigen Shirts auswirken.

Wie du eine solche Probe anfertigst, erkläre ich ausführlich im Beitrag „Maschenprobe in Runden stricken“.

Vaahta Tee – Maschenprobe: 18 M × 24 R = 10 × 10 cm

Maschenprobe und Garnalternativen

Du musst für eine Strickanleitung nicht zwingend das Originalgarn verwenden. Auch ein anderes Garn kann gut funktionieren, wenn es zum Modell und zum gewünschten Maschenbild passt und du damit die angegebene Maschenprobe erreichst.

Die Lauflänge allein reicht für die Auswahl einer Garnalternative nicht aus. Zwei Garne mit ähnlicher Lauflänge können sich durch Material, Aufbau und Elastizität unterschiedlich verhalten. Eine Maschenprobe zeigt dir deshalb nicht nur, ob du die erforderliche Maschenzahl erreichst. Du kannst damit auch beurteilen, wie sich das Garn nach dem Waschen verhält und ob dir Maschenbild, Griff und Fall für das geplante Modell gefallen.

Wird dein Garn als Strang verkauft, wickelst du es vor der Maschenprobe zu einem Knäuel. Wie das geht, erkläre ich im Beitrag Wolle wickeln – vom Strang zum strickfertigen Knäuel.

Ein gutes Beispiel ist das Riika Shirt. Für die Maschenprobe von 24 Maschen auf 10 cm eignen sich sehr unterschiedliche Garne: von Baumwolle und Baumwollmischungen bis zu Alpaka oder reiner Wolle. Je nach Garn verändert sich der Charakter des Shirts, die für die Anleitung erforderliche Maschenprobe bleibt jedoch die Grundlage.  

In meinem Beitrag „Garne für das Riika Shirt: Empfehlungen und Alternativen“ findest du die Garne aus der Anleitung und weitere Alternativen mit den entsprechenden Mengen für die einzelnen Größen.  

Maschenprobe und Größenwahl

Eine passende Maschenprobe ist die Grundlage dafür, dass die berechneten Maße einer Strickanleitung erreicht werden können. Sie entscheidet aber nicht darüber, welche Größe du stricken solltest.

Für die Größenwahl vergleichst du deine Körpermaße mit den Angaben in der Anleitung und berücksichtigst die vorgesehene Mehrweite des Modells. Erst danach entscheidest du, welche Größe zu dem gewünschten Sitz passt.

Wie du dabei vorgehst, erkläre ich ausführlich im Beitrag „Die richtige Größe für deine rosa-p.-Strickanleitung wählen“.


Häufige Fragen zur Maschenprobe

Wie groß sollte eine Maschenprobe sein?

Die Probe sollte größer als die Fläche sein, die du ausmessen möchtest. Für die üblichen 10 × 10 cm strickst du deshalb ein entsprechend größeres Probestück und misst anschließend in der Mitte.

Muss eine Maschenprobe gewaschen werden?

Ja, wenn du wissen möchtest, welche Maße dein Gestrick nach der späteren Wäsche hat. Wasche und trockne die Probe so, wie du später auch das fertige Strickstück behandeln möchtest.

Was ist wichtiger: Maschen oder Reihen?

Beide Werte gehören zur Maschenprobe. Die Maschenzahl bestimmt vor allem die Breite des Gestricks. Die Reihenzahl beeinflusst die Höhe und kann besonders bei Konstruktionen wichtig sein, bei denen Längen über eine bestimmte Anzahl von Reihen aufgebaut werden.

Kann ich eine andere Nadelstärke als in der Anleitung verwenden?

Ja. Die angegebene Nadelstärke ist ein Ausgangspunkt. Entscheidend ist, mit welcher Nadelstärke du die erforderliche Maschenprobe und ein für das Modell passendes Maschenbild erreichst.

Kann ich ein anderes Garn als in der Strickanleitung verwenden?

Eine Garnalternative sollte zum Modell und zum gewünschten Maschenbild passen. Mit einer Maschenprobe prüfst du, ob du damit die für die Anleitung erforderlichen Werte erreichst.