Raglanmodelle von rosa p. auf hellen Holzbügeln vor weißer Wand.

Raglan stricken – wie funktioniert diese Konstruktion?

Raglan gehört zu den bekanntesten Konstruktionen beim Stricken von Pullovern und Cardigans. Wer einen Pullover oder Cardigan mit Raglan stricken möchte, begegnet einer der bekanntesten Schulterkonstruktionen überhaupt.

Typisch sind die diagonalen Linien, die vom Halsausschnitt bis unter die Arme verlaufen und Vorderteil, Rückenteil und Ärmel miteinander verbinden.

Besonders beim Top-down-Stricken ist Raglan beliebt, weil sich der Pullover nahtlos von oben nach unten arbeiten lässt. Die Zunahmen für Körper und Ärmel entstehen direkt entlang der Raglanlinien.

So wächst die Passe Runde für Runde, bis genügend Maschen für Vorderteil, Rückenteil und Ärmel vorhanden sind.

Die Konstruktion ist leicht nachvollziehbar und lässt sich während des Strickens gut anprobieren. Trotzdem passt ein klassischer Raglan nicht automatisch zu jeder Körperform und jedem Modell.

Wie Raglan aufgebaut ist, woher die Konstruktion stammt und worin sie sich von anderen Schulterformen unterscheidet, schauen wir uns in diesem Beitrag genauer an.

Wenn du dir unterschiedliche Modelle mit dieser Konstruktion ansehen möchtest, findest du hier alle rosa p. Strickanleitungen mit Raglan.

Woher kommt der Raglan?

Der Name Raglan geht auf FitzRoy Somerset, 1. Baron Raglan, zurück. Er war britischer Offizier und verlor 1815 in der Schlacht von Waterloo seinen rechten Arm.

Für ihn wurden Mäntel mit einer besonderen Ärmelkonstruktion angefertigt, bei der die Ärmel nicht an einer klassischen Schulternaht eingesetzt wurden, sondern diagonal bis zum Halsausschnitt verliefen. Diese Form erleichterte das An- und Ausziehen und bot mehr Bewegungsfreiheit.

Später wurde die Konstruktion nach Lord Raglan benannt.Heute ist der Raglan längst nicht mehr nur bei Mänteln zu finden. Auch bei Pullovern, Shirts und Cardigans gehört er zu den bekanntesten Schulterkonstruktionen.

Beim Stricken wird die ursprüngliche Idee auf die Maschenverteilung übertragen: Vorderteil, Rückenteil und Ärmel werden durch diagonale Raglanlinien voneinander getrennt. Entlang dieser Linien entstehen die Zu- oder Abnahmen, die der Passe ihre typische Form geben.

Wie ist ein Raglan aufgebaut?

Ein klassischer Raglan hat vier diagonale Raglanlinien.

Sie verlaufen vom Halsausschnitt bis unter die Arme und trennen dabei Vorderteil, Rückenteil und die beiden Ärmel voneinander.

Beim Top-down-Stricken werden die Maschen am Halsausschnitt angeschlagen und anschließend auf vier Bereiche verteilt:

  • Vorderteil
  • rechter Ärmel
  • Rückenteil
  • linker Ärmel

Zwischen diesen Bereichen liegen die Raglanlinien.

Entlang der Raglanlinien werden regelmäßig Maschen zugenommen. Dadurch wachsen gleichzeitig der Körper und die Ärmel.

Je nach Anleitung besteht eine Raglanlinie nur aus einer einzelnen Masche oder aus mehreren Maschen. Sie kann glatt rechts gestrickt werden, als Rippe erscheinen oder durch ein kleines Muster betont werden.

Sobald genügend Maschen für Körper und Ärmel vorhanden sind, werden die Ärmelmaschen stillgelegt. Vorder- und Rückenteil werden anschließend zum Körper verbunden und in Runden weitergestrickt.

Die Ärmel folgen später ebenfalls in Runden.

Gerade diese klare Aufteilung macht den klassischen Raglan gut nachvollziehbar. Während des Strickens lässt sich leicht erkennen, welcher Bereich zum Vorderteil, zum Rückenteil oder zum Ärmel gehört.

Wie entstehen die Raglanlinien?

Die Raglanlinien entstehen dort, wo Vorderteil, Rückenteil und Ärmel aufeinandertreffen.

Beim Top-down-Stricken werden an diesen Stellen regelmäßig Maschen zugenommen. Meist liegen die Zunahmen direkt rechts und links neben der Raglanlinie.

So entsteht mit jeder Zunahmerunde mehr Weite – gleichzeitig für den Körper und für die Ärmel.

Wie oft zugenommen wird, hängt von der Konstruktion und der gewünschten Passform ab. Häufig werden die Zunahmen in jeder zweiten Runde gearbeitet. Es gibt aber auch Varianten mit anderen Abständen.

Die Raglanlinie selbst kann unterschiedlich gestaltet sein.

Sie kann nur aus einer einzelnen Masche bestehen oder aus mehreren Maschen. Manche Anleitungen lassen sie bewusst schlicht, andere betonen sie durch rechte Maschen, Rippen, Hebemaschen oder ein kleines Muster.

Auch die Art der Zunahme beeinflusst die Optik.

Nach rechts oder links geneigte Zunahmen erzeugen eine klare, geordnete Linie. Umschläge wirken dekorativer und können kleine Lochmuster entstehen lassen.

Die typische diagonale Raglanform entsteht also nicht durch eine Naht, sondern durch die regelmäßige Verteilung der Zunahmen entlang dieser vier Linien.

Mit jeder Zunahmerunde wächst die Maschenzahl für Vorderteil, Rückenteil und Ärmel. Sobald die gewünschte Weite der Passe erreicht ist, werden die Ärmelmaschen stillgelegt und Vorder- und Rückenteil zum Körper verbunden und weitergestrickt.

Damit die Proportionen einer Anleitung stimmen, sollte auch die Maschenprobe passen. Wie du eine Maschenprobe richtig strickst, erkläre ich in einem eigenen Beitrag.

Welche Vorteile hat ein Raglan?

Raglan ist vor allem deshalb so beliebt, weil die Konstruktion klar aufgebaut und gut nachvollziehbar ist.

Beim Top-down-Stricken wächst das Modell von oben nach unten. Dadurch lässt es sich während des Strickens immer wieder anprobieren und in der Länge anpassen.

Auch die Maschenverteilung ist übersichtlich. Vorderteil, Rückenteil und Ärmel sind von Anfang an klar voneinander getrennt, und die Zunahmen verlaufen entlang der vier Raglanlinien.

Weitere Vorteile:

  • Der Pullover oder Cardigan kann nahtlos gearbeitet werden.
  • Die Konstruktion eignet sich gut für Anfänger:innen.
  • Ärmel- und Rumpflänge lassen sich leicht anpassen.
  • Die Raglanlinien können schlicht bleiben oder gestalterisch betont werden.
  • Die Passform lässt sich über die Länge der Raglanpasse beeinflussen.

Gerade bei schlichten Modellen ist Raglan deshalb eine unkomplizierte und vielseitige Konstruktion.

Verschiedene Modelle mit klassischer oder angepasster Raglankonstruktion findest du bei den Raglan-Strickanleitungen von rosa p..

Wo der klassische Raglan an seine Grenzen kommt

Der klassische Raglan ist eine klare und gut nachvollziehbare Konstruktion. Gleichzeitig hat er konstruktive Grenzen, weil Körperweite, Ärmelform und Tiefe der Passe eng miteinander zusammenhängen.

Weiterentwicklungen wie der modifizierte Raglan setzen genau dort an und ermöglichen eine differenziertere Passform. Dazu findest du im Magazin bereits einen eigenen Beitrag.

Auch die richtige Größe spielt für die Passform eine wichtige Rolle. Wie du die passende Größe auswählst, findest du im Beitrag Größenwahl bei rosa p..

Raglan als Grundlage verstehen

Der klassische Raglan gehört zu den bekanntesten Schulterkonstruktionen beim Stricken. Sein Aufbau ist klar, die Zunahmen lassen sich gut nachvollziehen und die typische diagonale Linie ist sofort erkennbar.

Gerade deshalb eignet sich Raglan gut, um die Grundprinzipien von Schulter- und Passformkonstruktionen zu verstehen.

Weiterentwicklungen wie der modifizierte Raglan setzen genau dort an und ermöglichen eine differenziertere Passform. Mehr dazu findest du im Beitrag Modifizierter Raglan – 5 Gründe für diese Konstruktion


Mehr zu anderen Schulterkonstruktionen findest du in diesen Beiträgen 

Was ist ein Raglan beim Stricken?

Ein Raglan ist eine Schulterkonstruktion, bei der vier diagonale Linien vom Halsausschnitt bis unter die Arme verlaufen. Sie trennen Vorderteil, Rückenteil und Ärmel voneinander.

Wie wird ein Raglan von oben gestrickt?

Beim Top-down-Raglan werden die Maschen am Halsausschnitt angeschlagen und auf Vorderteil, Rückenteil und beide Ärmel verteilt. Entlang der vier Raglanlinien werden regelmäßig Maschen zugenommen, bis die benötigte Weite erreicht ist. Danach werden die Ärmelmaschen stillgelegt und der Körper weitergestrickt.

Ist Raglan für Anfänger:innen geeignet?

Ja. Die Konstruktion ist klar aufgebaut und lässt sich gut nachvollziehen. Besonders praktisch ist, dass ein Top-down-Raglan während des Strickens anprobiert und in der Länge angepasst werden kann.

Wie viele Raglanlinien hat ein Pullover?

Ein klassischer Raglan hat vier Raglanlinien. Je eine Linie liegt zwischen Vorderteil und Ärmel sowie zwischen Rückenteil und Ärmel.

Muss eine Raglanlinie immer gleich aussehen?

Nein. Sie kann aus einer einzelnen Masche oder mehreren Maschen bestehen und unterschiedlich gestaltet werden. Möglich sind zum Beispiel schlichte rechte Maschen, Rippen oder kleine Muster.

Was ist der Unterschied zwischen Raglan und modifiziertem Raglan?

Beim klassischen Raglan wachsen Körper und Ärmel nach einem relativ festen Schema entlang der Raglanlinien. Beim modifizierten Raglan können die Zunahmen unterschiedlich verteilt oder zeitversetzt gearbeitet werden. Dadurch lässt sich die Passform gezielter beeinflussen.