Bequemlichkeitszugabe beim Stricken beschreibt den Unterschied zwischen deinen Körpermaßen und den entsprechenden Maßen des fertigen Strickstücks. Dieser Unterschied wird häufig auch als Ease bezeichnet.
Je nach Design kann diese Differenz positiv, null oder negativ sein. Ein weit geschnittener Cardigan kann deutlich mehr Umfang haben als der Körper, während ein körpernahes Top oder eine Mütze kleiner gearbeitet sein kann und sich beim Tragen dehnt.
In diesem Beitrag zeige ich dir anhand verschiedener rosa-p.-Modelle, was Positive Ease, Zero Ease und Negative Ease bedeuten und warum die vorgesehene Bequemlichkeitszugabe immer zum jeweiligen Design gehört.
Was bedeutet Bequemlichkeitszugabe beim Stricken?
Die Bequemlichkeitszugabe beschreibt die Differenz zwischen einem Körpermaß und dem entsprechenden Maß des fertigen Strickstücks.
Ein einfaches Beispiel:
Brustumfang des Körpers: 100 cm
Brustumfang des fertigen Pullovers: 112 cm
Differenz: +12 cm
Der Pullover hat damit am Brustumfang 12 cm Positive Ease.
Ist das fertige Maß genauso groß wie das entsprechende Körpermaß, spricht man von Zero Ease. Ist das fertige Strickstück kleiner als das Körpermaß, handelt es sich um Negative Ease.
Wichtig ist dabei: Die Bequemlichkeitszugabe ist keine allgemeine Empfehlung dafür, wie viel Weite ein Strickstück haben sollte. Sie ist Teil des jeweiligen Designs und beeinflusst seine Silhouette und Passform.
Positive Ease – wenn das Strickstück weiter als der Körper ist
Bei Positive Ease ist das fertige Strickstück an der betrachteten Stelle größer als das entsprechende Körpermaß.
Hat dein Brustumfang beispielsweise 100 cm und der fertige Cardigan einen Brustumfang von 120 cm, beträgt die Positive Ease 20 cm.
Wie diese zusätzlichen Zentimeter wirken, hängt vom gesamten Schnitt ab. Positive Ease kann nur wenige Zentimeter betragen oder bewusst großzügig ausfallen.
Yooko Cardigan als Beispiel
Der Yooko Cardigan ist kastig und weit geschnitten. Die zusätzliche Weite gehört hier zur vorgesehenen Silhouette des Modells. Würde man nur versuchen, den fertigen Brustumfang möglichst nah an das eigene Körpermaß zu bringen, würde man den Charakter des Designs verändern.
Genau deshalb sollte die Bequemlichkeitszugabe nicht unabhängig vom Modell betrachtet werden. Maßtabelle und Modellfotos zeigen zusammen, wie die vorgesehenen Maße im fertigen Kleidungsstück wirken.


Zero Ease – wenn Körpermaß und fertiges Maß übereinstimmen
Bei Zero Ease entspricht das Maß des fertigen Strickstücks ungefähr dem entsprechenden Körpermaß. Bei einem Brustumfang von 100 cm hätte das fertige Oberteil also ebenfalls etwa 100 cm Umfang.
Wie körpernah das Kleidungsstück damit tatsächlich wirkt, hängt jedoch auch vom Material, vom Maschenbild und vom gesamten Schnitt ab. Ein Gestrick ist beweglich und kann sich beim Tragen anders verhalten als ein festes Gewebe.
Zero Ease beschreibt deshalb zunächst nur das Verhältnis zwischen Körpermaß und fertigem Maß – nicht die gesamte Passform eines Modells.
Riika Top als Beispiel
Das Riika Top ist ein gutes Beispiel für ein Modell mit wenig beziehungsweise keiner zusätzlichen Mehrweite. Anders als beim weit geschnittenen Yooko Cardigan entsteht die Silhouette hier nicht durch einen deutlich größeren fertigen Brustumfang.
Beim Vergleich der Größen ist deshalb entscheidend, wie nah das fertige Maß der jeweiligen Größe am eigenen Körpermaß liegt und wie das Top laut Design getragen werden soll.



Negative Ease – wenn das Strickstück kleiner als das Körpermaß ist
Bei Negative Ease ist das fertige Strickstück kleiner als das entsprechende Körpermaß. Hat ein Strickstück beispielsweise einen fertigen Umfang von 54 cm und soll an einem Körperumfang von 58 cm getragen werden, beträgt die Negative Ease 4 cm.
Das funktioniert, weil Gestrick dehnbar ist. Wie stark ein Modell mit Negative Ease gearbeitet werden kann, hängt unter anderem vom Garn, vom Maschenbild und von der Konstruktion ab. Negative Ease ist deshalb kein Wert, der beliebig auf ein anderes Modell übertragen werden kann.
Zoora Hat – Negative Ease einfach erklärt
Bei einer Mütze lässt sich das Prinzip besonders gut erkennen. Der Zoora Hat wird kleiner als der Kopfumfang gearbeitet. Beim Aufsetzen dehnt sich das Gestrick und liegt dadurch am Kopf an.
Würde der fertige Umfang genauso groß oder sogar größer als der Kopfumfang gewählt, hätte die Mütze nicht denselben vorgesehenen Sitz.



Negative Ease bei einem Oberteil
Negative Ease kann auch bei Kleidungsstücken Teil des Designs sein. Das Niine Top ist körpernah geschnitten und wird mit negativer Bequemlichkeitszugabe getragen. Das Gestrick dehnt sich beim Anziehen auf das Körpermaß.
Gerade bei solchen Modellen ist es wichtig, sich an den Angaben der jeweiligen Anleitung zu orientieren. Eine negative Bequemlichkeitszugabe ist hier bewusst in die Konstruktion und die vorgesehene Passform einbezogen – sie bedeutet nicht, dass versehentlich eine zu kleine Größe gewählt wurde.


Positive Ease, Zero Ease und Negative Ease im Vergleich
| Bequemlichkeitszugabe | Verhältnis zum Körpermaß | Beispiel |
|---|---|---|
| Positive Ease | Das fertige Maß ist größer als das Körpermaß. | Yooko Cardigan |
| Zero Ease | Fertiges Maß und Körpermaß sind ungefähr gleich. | Riika Top |
| Negative Ease | Das fertige Maß ist kleiner als das Körpermaß. | Zoora Hat, Niine Top |
Die Begriffe beschreiben zunächst nur das Verhältnis zwischen Körpermaß und fertigem Maß. Ob beispielsweise +5, +15 oder −5 cm für ein Modell vorgesehen sind, ergibt sich aus dem jeweiligen Design.
Warum die Bequemlichkeitszugabe immer zum Modell gehört
Die Bequemlichkeitszugabe lässt sich nicht einfach von einem Strickmodell auf ein anderes übertragen. Wenn dir beispielsweise 15 cm Positive Ease bei einem Pullover gut gefallen, bedeutet das nicht automatisch, dass ein anderer Pullover mit ebenfalls 15 cm Mehrweite genauso sitzen wird.
Neben dem Brustumfang bestimmen auch Konstruktion, Proportionen, Längen, Ärmel und das verwendete Gestrick die Form eines Modells. Die Bequemlichkeitszugabe ist deshalb immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Design zu betrachten.
In meinen Strickanleitungen findest du die Maße des fertigen Modells für die einzelnen Größen. Vergleiche diese Maße mit deinen Körpermaßen und beziehe auch die Modellfotos und die vorgesehene Passform in deine Entscheidung ein.
Wie du daraus konkret deine Größe auswählst, zeige ich dir im rosa p. Größen-Guide. Typische Denkfehler bei Mehrweite und Größenwahl findest du zusätzlich im Beitrag „Welche Größe stricke ich wirklich?“.
Die Maschenprobe beeinflusst auch die Bequemlichkeitszugabe
Positive, Zero oder Negative Ease ergeben sich aus den berechneten Maßen des fertigen Strickstücks. Diese Maße setzen voraus, dass deine Maschenprobe mit der Angabe in der Anleitung übereinstimmt.
Weicht deine Maschenprobe ab, verändert sich auch der fertige Umfang – und damit die Bequemlichkeitszugabe, die du tatsächlich erhältst.
Wie du eine Maschenprobe anfertigst, wäschst und richtig ausmisst, erkläre ich ausführlich im Beitrag „Maschenprobe richtig stricken“.
Häufige Fragen zur Bequemlichkeitszugabe beim Stricken
Was bedeutet Bequemlichkeitszugabe beim Stricken?
Die Bequemlichkeitszugabe beschreibt die Differenz zwischen einem Körpermaß und dem entsprechenden Maß des fertigen Strickstücks. Diese Differenz kann positiv, null oder negativ sein.
Was bedeutet Positive Ease?
Bei Positive Ease ist das fertige Strickstück größer als das entsprechende Körpermaß. Hat dein Brustumfang beispielsweise 100 cm und der fertige Pullover einen Brustumfang von 115 cm, beträgt die Positive Ease 15 cm.
Was bedeutet Zero Ease?
Bei Zero Ease entsprechen sich Körpermaß und fertiges Maß ungefähr. Ein Brustumfang von 100 cm wird also mit einem fertigen Umfang von etwa 100 cm kombiniert.
Was bedeutet Negative Ease?
Bei Negative Ease ist das fertige Strickstück kleiner als das entsprechende Körpermaß. Das Gestrick dehnt sich beim Tragen. Wie viel Negative Ease vorgesehen ist, hängt vom jeweiligen Modell, Garn und Maschenbild ab.
Wie viel Positive Ease sollte ein Pullover haben?
Dafür gibt es keinen allgemeingültigen Wert. Ein weit geschnittener Pullover kann mit deutlich mehr Positive Ease entworfen sein als ein körpernahes Modell. Entscheidend sind die vorgesehenen Maße und die Passform der jeweiligen Strickanleitung.
Ist Negative Ease dasselbe wie eine zu kleine Größe?
Nein. Negative Ease kann bewusst Teil eines Designs sein. Bei körpernahen Oberteilen, Mützen oder anderen elastisch sitzenden Strickstücken kann das fertige Maß kleiner als das entsprechende Körpermaß sein.
Muss ich die Bequemlichkeitszugabe selbst zur Maßtabelle addieren?
Nein. Vergleiche dein Körpermaß mit dem angegebenen Maß des fertigen Strickstücks. Die Differenz zwischen beiden Werten zeigt dir, welche Bequemlichkeitszugabe die jeweilige Größe bei dir ergeben würde.

